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Nr. 11/2017

Seite 8

Obergurig

Geschichtl iches

Eine Episode aus der Kirchgeschichte

von Großpostwitz

Im Jahre 2017 sind es 500 Jahre, das Dr. Martin Luther das

Licht der Reformation anzündete. Wir wollen aus diesem

Anlass eine Episode aus der Kirchengeschichte von

Großpostwitz beleuchten, die in der Kirchgemeinde mündlich

überliefert und 1838 vom Unterlehrer Andreas Wujanz aus

Großpostwitz in Sachsens Kirchengalerie veröffentlicht

wurde.

Der Verlag von Hermann Schmidt in Dresden hatte eine

besondere Abteilung für die Oberlausitz herausgegeben. Hier

erfahren wir ab Seite 87 etwas über Großpostwitz, seine

Lage an der Spree, die Geschichte der Kirche und über

seinen Namen, der aus dem Slawischen abgeleitet wurde.

Großpostwitz auf Sorbisch Budestecy, war die erste

evangelische Gemeinde im wendischen Sprachgebiet der

Oberlausitz.

Es war der Barfüßer Mönch Paul Bossack, welcher seit 1520

Luthers Lehren verkündete. Dazu mochte ihn wohl die

Predigt Luthers „Vom würdigen Sakrament des Altars“,

welche 1519 erschienen ist, bewegt haben. Dieser Druck war

auch in unserer Gegend bekannt, denn das Domkapitel zu

Budissin erließ am 24. Juni 1520 eine Verordnung, welche

die Herausgabe solcher Schriften verlangte. Den Priestern

wurde streng befohlen von den Lehren Luthers abzulassen,

denn deren Befolgung sei „freventlich, vermessendlich,

zwieträchtig, ärgerlich und betrüglich“.

Doch unser Großpostwitzer Barfuß Mönch Paul Possack ließ

sich nicht irre machen, er wollte seine Beichtkinder durch die

reine Lehre des Evangeliums zum Seelenheil führen.

Zu jener Zeit entrüstete sich über ihn der damalige Pfarrer in

Cunewalde. Er ging in seinem Eifer soweit, dass er beschloss

seinen Amtsnachbar in Großpostwitz während des

Abendmahls mäuchlings umzubringen. Er reitet eines

Sonntags früh los, um seinen Entschluss auszuführen. Doch

er kommt nur bis 10 Minuten nach Halbendorf. Auf einer

Anhöhe stürzt sein Pferd über einen Graben. Er fällt vom

Pferd und bleibt tot liegen. Noch heute kann man den Stein,

der als Brücke über den Graben lag, sehen. Als 1835 die

Straße nach Halbendorf neu gebaut wurde, verwendete man

den Stein als Bank in dem Rundteil über Neueulowitz. Es

sollen unleserliche Schriftzüge zu sehen sein, die vor

Jahrhunderten eingehauen wurden.

Großpostwitz blieb immer evangelisch. 1611 hat Kaiser

Matthias, als er auf seiner Reise nach Budissin in

Großpostwitz in Gegenwart von etwa 500 Personen Rast

hielt, dem Großpostwitzer Pastor Michael Schwach

versprochen, dass der Kelch beim Heiligen Abendmahl „auf

ewige Zeiten gelassen werde“.

Im vorliegenden Dokument aus der Feder vom Lehrer

Andreas Wujanz erfahren wir auch, dass das Rittergut von

Obergurig im 16. Jahrhundert als „Schloss“ bezeichnet wurde

und vor einem Brand drei Stockwerke und einen Turm hatte.

Vereinsinfos

202. Historischer Stammtisch

Des Heimatvereins Obergurig e.V.

am 11.10.2017

18 Besucher konnte man zum 202. Historischen Stammtisch

zählen. Auf der Tagesordnung stand der 70. Geburtstag des

Kindergartens Singwitz. Doch zuvor erst mal „Prost“ auf ein

175. Besucherjubiläum und den Geburtstag von

Anwesenden, das gehört zum Stammtisch natürlich dazu.

„Prost“

Auf der Grundlage der Singwitzer Kindergartenchronik, eines

Brigadetagebuches, Fotos von Frau Krebs und Herrn Seiler

hatten die ehemaligen Kindergartenkinder Ingrid Gust, geb.

Zejda und Bernd Seiler eine Präsentation und ein Heft

erarbeitet. Das Heft informiert unter Anderem darüber, dass

der Kindergarten am 1. Oktober 1947 in einer Baracke

eingeweiht wurde. 1950 zog er in die ehemalige „Jahn-Villa“

um und kam 1997 zum Kindergarten Obergurig.

Ingrid Gust und Bernd Seiler beim Vortrag

Bei der Informationserfassung halfen Herr Siegfried Rachlitz

und Herr Jürgen Tamm. Das Heft im Umfang von 28 Seiten

trägt den Titel „Kindergarten in Singwitz“ und konnte zum

Stammtischabend erworben werden.

Interessiert verfolgen die Teilnehmer den Vortrag